Apple Pay auf der Apple Watch

Apple Pay schon jetzt in Deutschland nutzen

Apple Pay gibt es nun schon seit 2014. In Deutschland ist es leider immer noch nicht angekommen. Vielleicht ändert sich daran etwas zur WWDC kommende Woche. Aber bislang sieht es leider eher nicht danach aus.

Es gibt aber dennoch eine Methode, wie man auch heute schon Apple Pay in Deutschland zumindest mal ausprobieren kann. Zur regulären Nutzung ist dieser Weg etwas umständlich und auch zu teuer.

Apple Pay: Wie funktioniert das jetzt schon?

Im Grunde nutzt man einfach ein englisches Apple Pay und bezahlt damit in Deutschland. Das Vereinigte Königreich darf seit Anfang 2016 Apple Pay nutzen. Nun braucht man im Regelfall aber ein englisches Konto um Apple Pay aktivieren zu können. Das dürften die wenigsten Deutschen besitzen.

Zu Hilfe eilt hier wie so oft Wirecard. Die Firma könnte zumindest den FinTech-affinen Menschen ein Begriff sein, läuft doch über deren Technik etwa das Konto sowie die Karten von Number26. Aber auch frühere Kontaktlos-Versuche wie etwa der mpass-Sticker von o2 werden technisch über Wirecard abgewickelt.

Wirecard bietet die App „boon.“ an. Damit kann man etwa auf einem Android-Smartphone per NFC an der Kasse bezahlen.
Die App gibt es auch fürs iPhone, nur kann sie hier aufgrund von Apples Einschränkung nicht auf das NFC-Modul zugreifen. So haben sie sich eine kreative Lösung einfallen lassen. Sie bieten sich einfach als Karte für Apple Pay an.

So hat man also eine virtuelle boon.-MasterCard in der Apple Wallet und kann damit zahlen.

Aufladung

Vorher muss das boon.-Konto allerdings aufgeladen werden.
Das Konto kann nur mit einer 3D-Secure-fähigen VISA oder MasterCard aufgeladen werden. Hierbei fallen Gebühren von 1% des Auflagebetrags, mindestens aber £ 1 an (warum Pfund, erkläre ich im nächsten Absatz). Alternativ kann man auch via „Faster Payments“ einzahlen (das ist gebührenfrei, allerdings in Deutschland nicht verfügbar).

Kosten

Das war’s aber noch nicht mit den Kosten. Das boon.-Konto wird, da es ja ein englisches Konto ist, in Pfund Sterling geführt. So dass man zum Einen vom Wechselkurs Euro zu Pfund abhängig ist, zum Anderen kommen bei jedem Bezahlvorgang, der nicht in UK stattfindet, also beispielsweise in Deutschland 1,25% Fremdwährungsgebühr des bezahlten Betrags hinzu. Im zweiten Jahr, das man boon. nutzt, muss man zusätzlich noch £ 0,99 pro Monat Kontogebühr zahlen.
Immerhin bekommt man £ 5 bei Kontoeröffnung geschenkt. Das reicht erstmal zum Testen.

Einrichtung

Da die Einrichtung recht umständlich ist, verweise ich auf diese vorzügliche Anleitung von Michael Pankow:

Kurz nur die Vorgehensweise zusammengefasst: UK-Apple-ID einrichten, im UK-AppStore anmelden, boon.-App laden. Einen UK-boon-Account einrichten (dazu eine Rechnungsadresse in UK verwenden). Jetzt die Region des iPhones auf Großbritannien umstellen. boon-App öffnen und den „Add to Apple Pay“-Button drücken. Dasselbe für eine eventuell vorhanden Apple Watch wiederholen. Nachdem das einmal eingerichtet ist, kann man die Region wieder zurückstellen.

Bezahlung

Ich musste erstmal googeln, wie man Apple Pay denn nun überhaupt an der Kasse nutzt. Mir war das nur für die Apple Watch bewusst (zweimal den unteren Button drücken, dann erscheint die Karte und NFC ist scharf). Beim iPhone muss man nichts drücken. Es reicht, das Gerät in die Nähe des aktiven Kassen-Terminals zu halten. Das iPhone erwacht wie von Geisterhand und blendet die Karte ein. Jetzt muss man noch den Finger auf den Touch-ID-Sensor legen und die Zahlung wird durchgeführt. Alternativ kann man den Finger auch schon vorher auf den Sensor legen und dann erst an das Terminal halten.

Erst war ich etwas skeptisch, ob es überhaupt funktionieren würde, da ich vorher einige Berichte gehört hatte, dass es bei manchen Läden wegen falsch konfigurierter Terminals nicht funktionieren würde. Über ALDI wurde aber gesagt, dass es ginge.
Also bin ich mutig zum ALDI (Nord) gegangen und hab mich dann doch nicht getraut, weil die Schlange hinter mir enorm lang war. Typische Feierabend-Einkäufer. Nicht unbedingt die beste Gelegenheit um einen potenziellen Kassenstau zu verursachen. Also bezahlte ich wie immer mit meiner NFC-VISA-Karte und verschob mein Experiment.

Anderer Tag, anderer ALDI. Früh morgens. Nichts los und nur eine Person hinter mir. Ich also das iPhone an den Leser gehalten und dachte schon, geht nicht, als das Display doch anging und die boom-karte präsentierte. Jetzt schnell den Finger auf den Touch-ID-Sensor gelegt und fertig. Bezahlt. Es kam auch direkt eine Push-Nachricht der boon.-App über den bezahlten Betrag. Die Kassiererin hat auch nicht verwirrt geguckt, also entweder war ich nicht der Erste, der mit einem Smartphone bezahlt hat oder ALDI schult die eigenen Mitarbeiter im Gegensatz zu anderen Geschäften.

Apple Pay in der Apple Wallet
In Apples Wallet App kann man die letzten Transaktionen abrufen
Apple Pay Zahlungsbeleg
Boon wird anscheinend als Debit MasterCard abgerechnet.

Funktioniert!

Weitere Läden habe ich noch nicht getestet, laut Internet soll es aber wohl schon in folgenden Läden gehen: Mc Donald’s, Aral, Rossmann, Conrad, Shell und Kaufland. Wobei es auch immer negative Berichte gab, also ist es wohl einfach vom Laden abhängig. Da hilft nur ausprobieren.

Fazit

Das Bezahlen mit Apple Pay macht definitiv Spaß. Noch besser kann ich mir die Zahlung mit der Apple Watch vorstellen. Das hab ich allerdings noch nicht probiert. Verwirrt die Kassierer aber sicher auch total. Manche sind ja schon verwirrt, wenn man mit einer kontaktlosen Kreditkarte zahlt.
Aber das ist auf jeden Fall die Zukunft!

Aktuell kann ich von dieser Bastellösung allein wegen der Kosten und der umständlichen Aufladung aber nur abraten. Zum Testen ok, aber für eine vernünftige Nutzung wartet man wohl doch besser auf den Deutschland-Start.

Hoffentlich liegt dieser nicht mehr in allzu weiter Ferne!

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