Besichtigung des Gemeinschaftskraftwerk Hannover (GKH)

Am letzten Wochenende war hier bei VW Nutzfahrzeuge in Stöcken Tag der offenen Tür. Da konnte man dann das Werk besichtigen und sowas. Da wollten mein Schatz und ich eigentlich hin, allerdings ist uns das zu spät eingefallen und das war auch irgendwie nur für VW-Mitarbeiter gedacht. Also waren wir nicht dort.

Da hatte ich die Idee, dass wir trotzdem etwas besichtigen werden. Und zwar das Heizkraftwerk bei mir um die Ecke. Auch im Titelbild zu sehen.

Das heißt in Wirklichkeit Gemeinschaftskraftwerk Hannover. Und das deshalb, weil es den Stadtwerken Hannover, VW und Continental gehört.

< !-more->

Da waren Jenny und ich dann am Donnerstag um 15 Uhr.
Zusammen mit einer Gruppe Rentner. Die waren auch größtenteils ok, bis auf ein, zwei Ausnahmen. Die waren einfach nur nervig.

Los ging die Besichtigung damit, dass wir so schicke rote Helme tragen mussten.
Dann ging’s erstmal in einen Konferenzraum in 13,5 m Höhe (im Kraftwerk gibt es keine Stockwerke, nur Höhen), wo es Kaffee und Kekse gab. Dort zeigte uns der Führer dann erstmal ein paar Folien und erklärte, wie das Kraftwerk aufgebaut ist und wie die einzelnen Teile funktionieren. Das fand ich sehr interessant. Kraftwerke hatten wir auch schon im Physik-Unterricht in der Schule, so konnte ich den Ausführungen gut folgen. Das ging ungefähr eine Stunde lang.

Dann machten wir uns auf den Weg durch die Kantine Richtung Maschinenhaus. Im Maschinenhaus befindet sich die Turbine zusammen mit dem Generator. Dort wird aus heißen Dampf Strom erzeugt. War recht laut dort und der Boden vibrierte. Also kein Vergleich mit einem Fahrraddynamo, der im Prinzip das gleiche tut.

Weiter ging’s dann zur Messwarte. Das ist der Kontrollraum für das ganze Kraftwerk. Das sind drei Tischreihen mit unzähligen Monitoren, sowie einer Monitorwand am vorderen Ende des Raumes. Erinnerte mich irgendwie an das Kontrollzentrum der NASA. Dort saßen drei Mitarbeiter, die auf Messkurven starrten um im Störungsfall eingreifen zu können. Dort konnte man auch sehen, dass das Kraftwerk momentan 135 MW Leistung erzeugt. Sieht alles sehr modern dort aus, was aber wohl daran liegt, dass der Raum erst 2002 umgebaut wurde. Dabei wurde alles auf Computer umgestellt, so dass das Kraftwerk nun mit der Maus gesteuert werden kann.

Diese drei Stationen befinden sich alle in 13,5 m Höhe. Das ist nicht besonders hoch. Deswegen ging es dann Richtung Aufzug, wo wir auf 63,5 m hochfuhren. Dann mussten wir allerdings noch 5 Treppen steigen um ganz nach oben zu gelangen. Unser Ziel war nämlich das Dach des Kraftwerks auf ca. 80 m Höhe. Es gibt zwei Blöcke in denen die Kessel hängen. Wir waren auf dem linken. Von dort aus hat man einen wunderbaren Ausblick auf ganz Hannover. Leider war es ziemlich bewölkt, sodass man nicht sonderlich weit gucken konnte, aber schon beeindruckend. Die Autos auf der Straße, bzw. auf dem VW-Parkplatz sahen aus wie Spielzeuge.
Man sollte allerdings etwas aufpassen auf dem Dach, denn es gibt keinerlei Sicherheitsabsperrungen, nur eine ca. 30 cm hohe Mauer. Also lieber nicht zu dicht an den Rand gehen. Zum Glück war es windstill, sonst hätte der Führer uns auch gar nicht erst auf’s Dach gelassen.

Dann ging es wieder runter, diesmal in’s Innere der Blöcke. Hier konnte man die hängenden Kessel erkennen. Leider nicht sonderlich gut, da das ganze Gebäude durch mehrere Ebenen geteilt ist, die einem die Sicht versperren. Ist allerdings auch nichts für Leute mit Höhenangst, denn die Fußböden bestehen aus Gitterrosten, durch die man teilweise ziemlich tief gucken kann.

Danach ging es dann ganz nach unten, wo uns die Umweltschutzmaßnahmen gezeigt wurden. Es gibt drei Systeme. Jede hat 120 Mio. DM gekostet. Zusammen mit dem Kraftwerk für 650 Mio. DM eine stattliche Summe. In den Filteranlagen wird nahezu der ganze Dreck ausgefiltert, so dass am Ende aus dem Schornstein fast saubere Luft kommt. Das Kraftwerk unterschreitet alle Grenzwerte um die Hälfte.

Der Kühlturm war das nächste beachtliche Bauwerk auf dem Gelände. Von außen sieht man nicht, dass der Kühlturm unten offen ist und auf mehreren Stelzen steht. Hier strömt Luft zum Kühlen ein und man kann das Kühlwasser runterregnen sehen. Sieht aus wie ein Platzregen. Das Wasser wird in einem 2,5 m tiefen Becken gesammelt und wieder zurück in den Kühlkreislauf geleitet. Nur wenige Prozent des eingesetzten Kühlwassers gehen wirklich verloren und sind als aufsteigender Dampf über dem Kühlturm zu sehen.

Das GKH ist ein Steinkohlekraftwerk, pro Stunde werden 45 Tonnen Kohle verfeuert. Das ist eine ganz schöne Menge. Darum lagern draußen auch 80.000 Tonnen davon. Das würde für ein paar Wochen autonomen Betrieb reichen. Angeliefert wird die Kohle per Schiff über den angrenzenden Mittellandkanal. Zusätzlich gibt’s im Winter auch Kohle mit dem Zug. Der Kohleberg wird vollautomatisch von einem soggenannten Portalkratzer (das ist ein umgedrehtes Förderband, dass über den Kohleberg kratzt und so die Kohle wegbefördert) abgetragen und über Förderbänder in’s Innere des Kraftwerks geliefert, wo die Kohle zuerst feingemahlen wird und dann als Kohlenstaub im Kessel verbrennt.

Zuletzt haben wir noch die beiden gewaltigen Trafos vor den Kesselblöcken besichtigt. Hier wird die Spannung von 10,5 kV auf 110 kV hochtransformiert und dann im angrenzenden Umspannwerk verteilt zu werden. Von dort geht der Strom dann per Erdkabel nach ganz Hannover.

Das GKH liefert Strom und Fernwäre für ganz Hannover, sowie heißen Dampf für Continental (zur Heizung und Reifenherstellung), sowie heißes Wasser an VW (für Heizung und Produktion). Und natürlich auch Strom an VW und Conti.

Der mittlere Wirkungsgrad über das Jahr liegt bei 70%, was sicherlich VW und Conti zu verdanken ist, die durchgängig Dampf und heißes Wasser benötigen.

Das Gemeinschaftskraftwerk Hannover wurde 1989 in Betrieb genommen und läuft seitdem ohne größere Probleme.

Die Besichtigung hat uns sehr viel Spaß gemacht und war wirklich sehr interessant.
Wir werden da sicherlich noch einmal hingehen und ein paar Fotos machen.

Wer das Kraftwerk besichtigen möchte, kann sich auf den Webseiten der Stadtwerke Hannover anmelden und einen Termin vereinbaren. Dort kann man auch noch andere Kraftwerke und Wasserwerke besichtigen.

Ein Gedanke zu „Besichtigung des Gemeinschaftskraftwerk Hannover (GKH)“

  1. Ja, dass war wirklich sehr interessant dort. Wir hatten nur leider den Fotoapparat vergessen. Sehr schade, weil von da oben hat man echt ne Supergute Aussicht(wenn das Wetter gut ist)!!! Danke nochmal dafür mein Schatz!

Kommentar verfassen